Die Lust am freien Fall

All the world’s a stage. Scheitern auf hohem Niveau will gekonnt sein. Das Niveau gilt es erstmal aufzubauen und dann ist das Timing ausschlaggebend. Die falsche Ausfahrt muss richtig knallen. Den Bumms muss man im Magen spüren, auch wenn er nicht gleich existenziell sein muss. Oder existentiell. Oder beides. Dann macht es Klick und man sieht sich quasi von außen diesen filmreifen Moment des Scheiterns erleben. Out-of-the-body-experience. Extraterrestrische Erscheinungen, Untersuchungen im All, das kalte Metall eines Stabpürierers tief im Darm und auf volle Leistung. Das geht durch und durch, höhlt langsam aus unter unglaublichen Schmerzen und dann … auf einmal fühlt man sich unbeteiligt und nur noch leer. Schock, leicht, denn man steht noch. Stehend sterben. Nicht einfach, aber unter Männern und im Film möglich und höchstes Kung Fu.

Irgendwas stirbt in solchen Momenten immer, wenn auch mit etwas Glück das Gesamtsystem - geschwächt - überlebt. Ein Reißen, Zerren, Quetschen, Knallen, es spuken Bilder von Marlon Brando, James Dean, etc durch den Kopf und im Akt der totalen Ausweidung weiß man plötzlich wieder, dass man selbst - und alle(sic!) anderen - eben (noch) nicht Teil des großen Ganzen ist. Ein schicker transzendenter Ansatz mehr mit Effet an die Wand gefahren. Dean und dem französischen Existentialismus haben wir auf diesem Gebiet viele Einsichten zu verdanken. Es stirbt sich einsam und für die verrücktesten Umstände. Man muss nicht verstehen, nur, dass es unumgänglich ist.

Es gibt Wege, die können nicht gemeinsam beschritten werden. Vorher weiß man nicht, wozu das gut sein soll, aber man hofft, dass dahinter irgendwie mehr steckt. Ein Plan? Größer als man selbst? Bei beschissenen 1.70m sollte das doch kein Problem sein für das Universum. Wenn man erstmal einsieht, dass der Sinn des Leben für viele bedeutet, nicht alleine sterben zu wollen, und es gerade dafür keine Lösung gibt, egal, was man vorher anstellt, dann ist es ab einem gewissen Punkt Gewissheit: Das hier ist mein Film und jetzt mal Zeitlupe. Ausweg: keiner, also dann richtig. Man sieht die Klippen kommen und gibt nochmal Gas.

Hinterher musste es dann so kommen, obwohl man seinen Teil dazu beigetragen hat. Es gab aber natürlich eigentlich keine anderen Optionen und ein Stück Seele/ Herz/ Körper/ Geist/ Freundschaft/ Liebe/ ist so gut inszeniert in Stücke gerissen und ausgeblutet, wie es die Situation un- oder teilvorbereitet erlaubte. Läuterung, Katharsis, Zäsur in Moll, die Unterschrift in Blut und was bleibt ist die Frage, ob das tatsächlich so sein musste, ein Stück herausragender Film, der tief vernarbte Erinnerungen verspricht, ein bisschen Poserrock und viel Bier in der Nacht für den Teil, der das Massaker überlebt hat.

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4 Kommentare zu “Die Lust am freien Fall”

  1. ich weiß was du meinst. es ist wie bei ingrid bergmann und humphrey bogarts abschied. still und arg und jeder weiß, dass es da gar keine alternative gibt. kein spielraum, kein happy end. ohne schnörkel und ohne großes tam tam. schluß. wie bei thelma und louise. das unausweichliche ende zeichnet sich erst gar nicht ab sondern fällt praktisch vom himmel. jeder abschied ist ein bißchen wie sterben. gut nur, dass ich an die auferstehung glaube und drum bin ich immer noch glücklich.

  2. das ist gut. glücklich ist gut. apropos auferstehung - sag ich: ja. aber es ist leider nicht sehr wahrscheinlich, als mensch ohne existentielle probleme wiedergeboren zu werden. deutlich schlimmer ist deutlich wahrscheinlicher. du siehst: an wiedergeburt kann ohne weiteres auch ein pessimist glauben. ich habe ja schon in diesem leben ständig das gefühl, deja-vus zu erleben. muss am monotonen alltag liegen.

  3. Und zwischendurch kann man sich die erste Staffel der Muppet Show bestellen. Kostet zwar, zwengs Import, soviel wie die ganze Produktion der Serie, aber es lenkt ab von dem ganzen Dings da oben – wenn die Scheiben denn mal da sind.

  4. uuuuuuuuuuund: was du sagst ist gar nichts gegen das Schicksal des Nachrichtensprechers in eben dieser Show.

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