Rudi Völler und der Münchner Hauptbahnhof
Moin und frohes neues Jahr 2010 zusammen! 2009 lässt sich knapp mit folgender Anekdote umschreiben:
Neulich wieder bei Rudi Völler in der Kneipe am Münchner Hauptbahnhof gewesen. Ist natürlich nicht wirklich Rudi Völler, aber täuschend! Kumpel (sie nennen ihn ‘Doc’) und ich waren uns auf alle Fälle einig - schon das letzte Mal. Nachdem diese Kneipe die absolut letzte Station ist auf dem nächtlichen Weg abwärts, ist das Urteilsvermögen diesbzgl. zumindest angemessen breit aufgestellt.
Das wäre eigentlich schon alles, Thema durch. Wenn(!) es hier nicht um ein tief sitzendes Trauma ginge, dem Doc und ich seit unserem letzten Besuch zu begegnen versuchten - der Morgen danach war damals - vorsichtig gesagt - vernichtend. Erwachen unerfreulich und in der Hölle. Ich musste damals nicht 1,5 Stunden später gleich wieder arbeiten, was den Doc in eine ungleich unangenehmere Situation brachte. Doch auch ich erwachte jenseits des 13. Kreises - weit geflogen bzw. auf blankem Zahnfleisch hingeschliffen.
Seit einigen Jahren ist - ganz sachlich - zu verzeichnen, dass die motorischen Grundfunktionen bei Alkoholkonsum immer mehr in Mitleidenschaft gezogen werden und der durchschnittliche Kater die Mehrtagesgrenze überschreitet. Kurz: Stehen war nicht möglich, von Sprechen ganz zu schweigen. Und das nach immerhin 6 Stunden “Schlaf”. Der Doc hatte auch nicht seinen produktivsten Tag, was ich hörte. Die üblichen Schreie vom anderen Ende der Stadt.
Seitdem fürchteten wir Rudi Völler, der immer im “richtigen” Moment nachzuschenken pflegt - ungefragt. Unangenehm. Damit rechnet man nicht. Warum passiert einem das nie in nüchternem Zustand? Da muss man dann immer betteln und Schuhe küssen, damit man überhaupt mal die Speisekarte bekommt (ins Gesicht - danke Glatze, Gruß ans Bella Italia!).
Mit diesem Trauma beseelt also forsch den Glasbunker geentert, leergetrunken, Erwachen knapp letal. Der Tod wohl gerade noch 3 Beck’s entfernt gewesen.
Trauma nicht bearbeitet.
2:0 für Rudi Völler.
Er ist der King.
Wir bleiben dran - mit gebührendem Abstand auf der Straße der Verdammten.
Abgelegt unter: Ablage, Mythologie















… neulich auf http://www.qype.com eine aktuelle Einschätzung der Verhältnisse im schönen Italien nördlicher Breite, alias ‘Stachus-Bella’:
“Also wir waren gestern im Bella Italia am Stachus, und ich werde, obwohl das Essen dort gar nicht so schlecht ist, nie wieder hingehen. Bereits dort ist mir ein merkwürdiges Insekt aufgefallen, welches an der Wand sass… da ich aber keine wirkliche Ahnung von Insekten habe, hab ich nix gesagt. Aber als mein Sohn daheim seine Tüte mit der Pizza aufgemacht hat, kam ganz eindeutig eine Kakerlake raus!!! Super-eklig!!! Ich hab sie gefangen und mit Bildern aus dem Internet verglichen, ich bin also ziemlich sicher, dass es eine ist. Ich habe auch bereits das Gesundheitsamt informiert, die sich der Sache annehmen werden. Mal abgesehen davon sind die Toiletten dort mehr als widerlich.Es stinkt, Handtücher gibt es keine oder der Handtuchspender funktioniert nicht. Und das schon mittags. Wir waren früher öfter da und waren immer zufrieden, aber in letzter Zeit hat es doch ziemlich nachgelassen und gestern war echt der Gipfel!!!”
Der Gipfel! Bestiegen und danach davon berichtet von “PsychoKat” aus “Unterföhring” (formerly known as “Unterföhring”). Entschuldigung, aber die Dinge sind ja wohl deutlich sichtbarer als tausend Kakerlaken al forno auf einer Pizza Bombay. Da versucht jemand, sein versiffte Jugend in der Großstadt ein wenig wieder zu beleben, nachdem er mit Frau und zweitem Balg in den Speckgürtel (Brutgebiet für Kakerlaken der ganz großen Spezies!) geflüchtet war. Aber das klappt nicht, wir sind fett und spießig und nachtragend und einfach nur scheiße geworden. Jeden zweiten Abend dort beim gediegenen Kleinstadt-Schicke-Gnocchi-Schubser, da vergisst man leicht, was das Großstadtpack frisst, wenn der große Hunger vor oder nach dem großen Dursst kommt. Tja, mein Freund, vielleicht hast du früher mal dazu gehört, jetzt nicht mehr. Setze dich wieder in die S-Bahn oder deinen kleinen A3 Firmenwagen und mach die Kakerlake-auf-der-Flucht-Routine. Nicht das Bella hat sich geändert, deine Erwartungshaltung.
Diese Erwartungshaltung, mein Gott. Das Bella Italia ist neudeutsch ein “Enabler”, ganz ganz altdeutsch also ein Katalysator für den Start in die abendliche Umlaufbahn aus Alkohol, Sex und Gewalt; Dinge, die nur eine Großstadt bieten kann. Das ist doch kein Plaz, wo man ganz profan eine Pizza bestellt. Der Speckgürtel begreift das nicht, fotografiert während dessen Kakerlaken aus dem Doggybag (sic! und sick!), und schreibt “sass” wie “ass”, meint aber “ass” - you catch my meaning! Super-ek(e)lig! Das Leben kommt aus dem Schmutz, findet im Dreck statt und endet oft im Erstickungstod in der eigenen Kotze. Hey, von so etwas liest man doch, oder? Wie dem auch sei, f.delnegro und the.doc lassen auf dieses Prekariats-Aubergine nichts, aber auch gar nichts kommen, nur für die Akte! Besonders nicht, nachdem in einer gnadenlos genialen Marketingwende der Blut und Wasser Gerstensaft aus Bremen als Standardmineralwasser eingeführt wurde! Nach dem fünften Wasser, macht die Fleischeinlage auf der Pizza nur noch sympatisch “Knack”, und herunter geschluckt sind die kleinen Beinchen. Mann, wer kümmert sich auf der Autobahn ‘gen Hölle denn wirklich um kleine Appetithappen vor dem Klogang oder danach? Erst noch zum Bella, und dann in die Hölle. Das wird Unterföhring nie begreifen, ich weine um die Zufkunft. Und überhaupt: Wer braucht Handtücher nach dem Klogang, ich frage ja nur …
the.doc knows and has spoken wisely.
Man kann nicht immer 4 Jahreszeiten oder Mandarin. Wird auch langweilig. Und wer Kakerlaken nicht mag, der sollte auch keine Kinder haben. Die Welt ist am Rand schmutziger als man meint, vor allem, wenn man immer zusieht, dass man schön in der Mitte bleibt. In der gehobenen Mitte natürlich. Wir sind ja nicht irgendwer. Ich mein, schon mal was von Abwehrkräften gehört? Mein Gott, wenn das so weitergeht, zerfallen die nachkommenden, immunsystembefreiten Generationen bereits beim Anblick eines deutschen Italieners zu Staub. Kakerlake ist doch auch nichts anderes als Lamm auf Chitin.