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Rudi Völler und der Münchner Hauptbahnhof

… neulich auf http://www.qype.com eine aktuelle Einschätzung der Verhältnisse im schönen Italien nördlicher Breite, alias ‘Stachus-Bella’:

“Also wir waren gestern im Bella Italia am Stachus, und ich werde, obwohl das Essen dort gar nicht so schlecht ist, nie wieder hingehen. Bereits dort ist mir ein merkwürdiges Insekt aufgefallen, welches an der Wand sass… da ich aber keine wirkliche Ahnung von Insekten habe, hab ich nix gesagt. Aber als mein Sohn daheim seine Tüte mit der Pizza aufgemacht hat, kam ganz eindeutig eine Kakerlake raus!!! Super-eklig!!! Ich hab sie gefangen und mit Bildern aus dem Internet verglichen, ich bin also ziemlich sicher, dass es eine ist. Ich habe auch bereits das Gesundheitsamt informiert, die sich der Sache annehmen werden. Mal abgesehen davon sind die Toiletten dort mehr als widerlich.Es stinkt, Handtücher gibt es keine oder der Handtuchspender funktioniert nicht. Und das schon mittags. Wir waren früher öfter da und waren immer zufrieden, aber in letzter Zeit hat es doch ziemlich nachgelassen und gestern war echt der Gipfel!!!”

Der Gipfel! Bestiegen und danach davon berichtet von “PsychoKat” aus “Unterföhring” (formerly known as “Unterföhring”). Entschuldigung, aber die Dinge sind ja wohl deutlich sichtbarer als tausend Kakerlaken al forno auf einer Pizza Bombay. Da versucht jemand, sein versiffte Jugend in der Großstadt ein wenig wieder zu beleben, nachdem er mit Frau und zweitem Balg in den Speckgürtel (Brutgebiet für Kakerlaken der ganz großen Spezies!) geflüchtet war. Aber das klappt nicht, wir sind fett und spießig und nachtragend und einfach nur scheiße geworden. Jeden zweiten Abend dort beim gediegenen Kleinstadt-Schicke-Gnocchi-Schubser, da vergisst man leicht, was das Großstadtpack frisst, wenn der große Hunger vor oder nach dem großen Dursst kommt. Tja, mein Freund, vielleicht hast du früher mal dazu gehört, jetzt nicht mehr. Setze dich wieder in die S-Bahn oder deinen kleinen A3 Firmenwagen und mach die Kakerlake-auf-der-Flucht-Routine. Nicht das Bella hat sich geändert, deine Erwartungshaltung.

Diese Erwartungshaltung, mein Gott. Das Bella Italia ist neudeutsch ein “Enabler”, ganz ganz altdeutsch also ein Katalysator für den Start in die abendliche Umlaufbahn aus Alkohol, Sex und Gewalt; Dinge, die nur eine Großstadt bieten kann. Das ist doch kein Plaz, wo man ganz profan eine Pizza bestellt. Der Speckgürtel begreift das nicht, fotografiert während dessen Kakerlaken aus dem Doggybag (sic! und sick!), und schreibt “sass” wie “ass”, meint aber “ass” - you catch my meaning! Super-ek(e)lig! Das Leben kommt aus dem Schmutz, findet im Dreck statt und endet oft im Erstickungstod in der eigenen Kotze. Hey, von so etwas liest man doch, oder? Wie dem auch sei, f.delnegro und the.doc lassen auf dieses Prekariats-Aubergine nichts, aber auch gar nichts kommen, nur für die Akte! Besonders nicht, nachdem in einer gnadenlos genialen Marketingwende der Blut und Wasser Gerstensaft aus Bremen als Standardmineralwasser eingeführt wurde! Nach dem fünften Wasser, macht die Fleischeinlage auf der Pizza nur noch sympatisch “Knack”, und herunter geschluckt sind die kleinen Beinchen. Mann, wer kümmert sich auf der Autobahn ‘gen Hölle denn wirklich um kleine Appetithappen vor dem Klogang oder danach? Erst noch zum Bella, und dann in die Hölle. Das wird Unterföhring nie begreifen, ich weine um die Zufkunft. Und überhaupt: Wer braucht Handtücher nach dem Klogang, ich frage ja nur …