Klondike 3 - Flucht am Yukon
Tütensuppe ist verwirrt … die Hetzjagd geht weiter, Pappa schon den üblichen Schritt voraus. Gefühlte tausend Kilometer Sand in den Augen - Körner groß wie Nuggets - die allesamt bis auf die Netzhaut durchschlagen. Geblendet und ausgelaugt, doch die Millionen im Ärmel. Ein weiteres Mal Triumph über das Risiko und alle Pfeifen hinter sich gelassen. Der Abstand schmilzt mit jedem Schritt, Tütensuppe beschwört den Regengott. Pappa war winterlang Spurenleser a.D. und so ein Blizzard käme gerade gelegen, sagt er. Der Wald wird dichter, doch der rechte Arm blutet und spritzt wie ein Springbrunnen - gefundenes Fressen für Schnee-Echsen und die Killerbrigade aus Klondike-Trappern hinter ihnen. Ab und an ein mit bloßer Hand und Nagelschere notdürftig sezierter Wolf als falsche Fährte seitlich über den Wegesrand hinaus geschmissen. (weiterlesen…)
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Pappa war winterlang Spurenleser a.D. und so ein Blizzard käme gerade gelegen, sagt er. Der Wald wird dichter, doch der rechte Arm blutet und spritzt wie ein Springbrunnen - gefundenes Fressen für Schnee-Echsen und die Killerbrigade aus Klondike-Trappern hinter ihnen. Ab und an ein mit bloßer Hand und Nagelschere notdürftig sezierter Wolf als falsche Fährte seitlich über den Wegesrand hinaus geschmissen. 













Aber Pappa hatte noch einen Trumph im Ärmel… die letzten Tage hatten sich Pappa und Tütensuppe eine Bifi mit allen Schlittenhunden geteilt und nun war der Vorrat verbraucht. Sturm stark, Schnee wie Sand am Meer und Hausverbot im Freudenhaus. Das hätte sich Kumpel Fertiggericht nicht besser ausmalen können - röstet gemütlich über kleiner Flamme, während am Arsch der Welt langsam das Licht ausgeht. Aber da hat Klondike die Rechnung ohne Pappa gemacht.
Klondike - Gold, Grab und Stimmung. Pappa packt seine sieben Säckel und nimmt nochmal die Wünschelrute in die Hand. Und dann gehts auch schon los. Immer dem kaputten Kompass nach. Der Geruch von Gold liegt in der Luft. Daran ist der Stammbaum schuld. Versaute Familie, tote Abstammung, Herkunft grauenerregend - Ahnenforschung ungraziös. Die Spuren im Schnee gehen rückwärts in der Zeit und Tütensuppe fragt sich, ob “instant” wirklich Zukunft hat. Der Wind reißt große Löcher in den Wanst und Pappa hält Tütensuppe schützend vor sich. Der Fruchtzuckervorrat schmilzt dramatisch, aber der Weg ins Finale steht nicht zur Disposition. Elegie des einsamen Schatzsuchers - Zurück kaputt, Zukunft bekannterorts zerstört. Flucht in den Schnee mit ein paar Anti-Depressiva, Alkohol und einem ausgeleierten Pornoheft. Kocher, Vitamalz und Knäckebrot. Das Obst zurückgelassen, aber frisch im Eis. Warte ein bisschen. Warte für immer. Pappa packt ein Knoppers aus; es wird ehrlich geteilt mit den Hunden am Schlitten. Tütensuppe braucht nix, er lutscht an seinem Arsch. Klondike? We fucked it. Im nächsten Urlaub nur noch Hängematte.
Es ist schon wieder passiert. Fünf Bier und Fertiggericht wurde sentimental. Ruckzuck werden die alten Fotos ausgepackt. Hier und da und dort. Die gesamte Familie plus Omma und Oppa - Gott hab’ sie selig - liegt auf dem Tisch und Fertiggericht und Tütensuppe heulen. Natürlich erst als die meisten anderen Gäste bereits gegangen sind und der Mond seinen Schleier des Vergessens über den versifften Holztisch senkt. Verlustängste sind ja mittlerweile weit verbreitet. An Menschen, Begebenheiten, Dingen, der Vergangenheit wird festgehalten. Auch an alter Scheisse. Und genau dort wird’s gefährlich. Einfach mal loslassen. Tütensuppe geht aufs Klo, Fertiggericht hat ausgeweint und bestellt noch ein Bier. Die erste Hälfte auf dem lagen Weg des Vergessens ist geschafft.